Die Geschichte unserer Elterninitiative und ihrer Kita von 1998 bis 2008

Diese Artikel über die Geschichte und Gegenwart der Christlichen Kita Woltersdorf wurden im April 2007 von Journalistik-Studenten unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Stock im Rahmen der "Berliner Woche" recherchiert und verfaßt. Wir danken den angehenden Journalistinnen und Journalisten für die Sicherung der "oral history" unserer Kita und unseres Ortes!

Inhalt:


Wie alles entstand

„Wir hatten den Wunsch, etwas für unsere Kinder zu tun.“ Mit dieser Motivation und viel „positiver Energie“ haben Brigitte Kalbhenn-Czech und sechs weitere Eltern vor zehn Jahren die „Elterninitiative christliche Kindertagesstätte“ in Woltersdorf gegründet. Heute ist die mit mehreren Qualitätssiegeln ausgezeichnete Einrichtung die drittbeste des Bundeslandes und der Kindergarten als Teilbereich sogar die Nummer eins im Land. Die ursprüngliche Idee einer christlichen Kita stamme 1994 vom Geschäftsführer des ortsansässigen Vereins „Entschiedenes Christentum“ (EC), Günther Neumann – sie konnte damals aber nicht umgesetzt werden. Die entscheidenden Impulse zur Umsetzung der Vision in die Tat kamen dann 1997 von der heutigen Leiterin der Kita, Christel Schmidt und vom Schatzmeister Wolfgang Stock und dessen Frau Oriana. Kalbhenn-Czech und Schmidt, beide bereits aus eigenen Jugend-Tagen miteinander befreundet, trieben die Gründungsidee voran, knüpften Kontakte; Stock kümmerte sich um organisatorische und rechtliche Angelegenheiten. Die Gemeindeverwaltung stand dem Projekt, nachdem es Neumann 1994 bereits angeregt hatte, diesmal offener gegenüber.

„1994 war der Zeitpunkt ungünstig“, sagt Kalbhenn-Czech rückblickend. Drei Jahre später habe die Initiative gleich die Zusicherung erhalten, mit der kommunalen und der AWO-Kita gleichbehandelt zu werden, wurden ihr die gleichen finanziellen Zuschüsse garantiert. Den Erfolg in der Gründerzeit des gemeinnützigen Vereins der christlichen Kita sieht Kalbhenn-Czech in der engen und freundschaftlichen Zusammenarbeit der Pioniere. „Wir hatten einfach Spaß an der Sache und eine positive Stimmung. Wir wollten für unsere Kinder arbeiten“, unterstreicht die Mutter. Ihr Kind war damals 14 Monate und die Idee lag damit nahe, sich an dem Projekt zu engagieren.
Es waren rund zehn Mütter, die sich in den ersten Monaten der Kita für die Gemeinschaft einsetzten. Das Fundament der Kita trug vom ersten Tag an christliche Züge und das ist bis heute der Kern des Erfolges. Kalbhenn-Czech: „Wir wollten nicht irgendeine Kita kopieren. Wir hatten von Anfang an eigene Vorstellungen und ein einzigartiges Konzept.“ Christel Schmidt brachte bereits damals ihre 20-jährige Berufserfahrung und die entscheidenden konzeptionellen Idee in die Schatzkiste. Das angestrebte Ziel war es damals, 40 Kinder zu betreuen, damit die Kita überschaubar bleibe.
2007 zählte die Betreuungsstätte jedoch schon mehr als 120 Kinder, Mitte 2008 werden es gar 155 sein. Dass sich eine derartige Nachfrage seit der Gründungsveranstaltung im April 1997 ergeben würde, hätten sich die Verantwortlichen nicht im Traum gedacht. Zumal am Anfang die Skepsis in postsozialistischen Teilen Woltersdorfs spürbar war: „Die Leute dachten, jetzt kommen die Wessis und wollen alles besser machen“, erinnert sich Kalbhenn-Czech. „Und mit den Kindern vor dem Essen beten!“. Heute sind die konfessionellen Verhältnisse der Kita-Kinder von christlich bis atheistisch weit gefaßt. Einzige Voraussetzung für nichtchristliche Familien, die ihre Kinder in die Schatzkiste bringen wollen, sei das Versprechen, nicht gegen das christliche Profil und die christlichen Gewohnheiten der Schatzkiste zu arbeiten. So wird selbstverständlich vor den Mahlzeiten gebetet, es werden Geschichten über Jesus werden erzählt, es wird viel gesungen. Dabei dürften die Eltern den Kindern nicht reinreden und die Kleinen mit gegenteiligen Bekundungen verunsichern, weil sonst die Arbeit der Erzieher untergraben würde – das ist die klare Voraussetzung für Nicht-Christen, die ihre Kindern aufgenommen sehen wollen.
Der Erfolg der Kita, die im März 1998 in einer Villa in der Hans-Knoch-Straße begann, wurde fünf Jahre später mit einem Millionen-Neubau fortgesetzt, den der Landkreis bezahlte. Und die Kita mußte weiter expandieren: Für 50 weitere Vorschul- und Hortkinder wurde ihr 2007 von der Kommune ein weiteres Gebäude im Zentrum von Woltersdorf zur Verfügung gestellt. „Da ging alles Hand in Hand: Bürgermeister, Gemeindeverwaltung, Landrat, Bauamt, Vermieter – und wir als Elterninitiative“. Kalbhenn-Czech spricht, obwohl sie seit rund sechs Jahren nicht mehr in Woltersdorf lebt, stets im Plural, wenn es um die "christliche Kita" geht.
Sie lacht und gesteht: „Mein Herz ist immer noch dort.“

Bahador Saberi



Die Christliche Kita heute

„Schätze entfalten sich in der Christlichen Kita“

145 Kinder von 18 Monaten bis 10 Jahren besuchen derzeit die Christliche Kindertagesstätte in Woltersdorf, Tendenz steigend. Die Vielfalt der pädagogischen Ansätze und die liebevollen Erzieherinnen waren für die Mehrzahl der Eltern die wichtigsten Gründe zur Entscheidung für die Christliche Kita. Dies zeigt eine Umfrage vom Herbst 2006. Immerhin für die Hälfte der Eltern ist die christliche Prägung entscheidend. Diese christliche Fürsorge soll die Mitte “zwischen der autoritären und antiautoritären Erziehung“ finden, sagt Christel Schmidt (50), die Leiterin der Kita.

Eine christlich-religiöse Orientierung der Kinder ist keinesfalls nicht Aufnahmekriterium an der Christlichen Kita Woltersdorf. Die Eltern sollen allerdings den christlichen Glauben achten und nicht dagegen arbeiten, damit das Kind nicht in Konflikte gerät. In der Kita erleben die Kinder den Glauben authentisch am Beispiel der Erzieherinnen und Erzieher, die alle Christen sind, und sie werden spielerisch an den christlichen Glauben herangeführt. Dies geschieht zum Beispiel durch altersspezifische Erzählung der biblischen Geschichte. Vor jeder Mahlzeit wird gebetet und neben vielen anderen Liedern werden auch christliche Kinderlieder gesungen.

Das gemeinnützige Engagement ist Grundlage für die gesamte Arbeit der Elterninitiative. Um den 33 Kindern im Altbau ihrer Räume umfassend zu modernisieren, spendeten zum Beispiel Anfang 2007 viele Eltern viel Geld und Zeit für die Renovierung.

Für die Kinder ab dem vierten Lebensjahr gibt es jede Woche kostenlos je eine Stunde Englischunterricht und Musikerziehung. Am Nachmittag lernen die älteren Kinder auch, durch kindgerechte PC-Programme mit dem Computer umzugehen. Des Weiteren stehen regelmäßige Sportübungen in der hauseigenen Turnhalle an – und natürlich Austoben in den Gärten der drei Häuser.

Kinder werden in der Christlichen Kita in der Regel erst ab dem dritten Lebensjahr aufgenommen und in speziell auf sie zugeschnittenen Gruppen betreut. Die Gruppe des Kindes entscheiden die jeweiligen Eltern und die Erzieherinnen gemeinsam.

Die Kleinsten (zwei bis drei Jahre) kommen zu den „Sterntalern.“ Sie werden dort langsam an den Umgang mit anderen Kindern gewöhnt. Bei den „Blumenkindern“, ab drei Jahren, dreht sich alles um eine Gruppenarbeit mit naturverbundenen Themen, die sich über mehrere Monate ausdehnen kann. Die „Mäusegruppe“ (ab drei Jahren) wird speziell musikalisch betreut. Auf den Erkenntnissen von Maria Montessori basierend wird die „Regenbogen-Gruppe“ , ebenfalls für Kinder ab drei Jahren, geleitet.

Des Weiteren gibt es die „Knallfrösche“ mit Reggio-Pädagogik als Vorschulgruppe und die offene Hortarbeit, in der auch Hausaufgabenhilfe angeboten wird.
Ein besonderes Projekt der Christlichen Kita ist die „Waldgruppe“: Die etwa 15 Kinder ziehen mit zwei Erziehern morgens um neun von einem „Waldwagen“ auf der Maiwiese aus in den Wald, um pfadfinderischen Impulsen nachgehen - bis 15 Uhr. Und das bei fast jedem Wetter. Das warme Mittagessen gibt es im modernen „Waldwagen“.

Zur Zeit der Eröffnung im März 1998 kamen 35 Kinder auf fünf Erzieherinnen. Heute sind dreizehn Festangestellte und etwa 40 neben- und ehrenamtlich Tätige für 145 Kinder im Einsatz. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben ist Voraussetzung für eine Festanstellung in der Kita. Dazu die Kita-Leiterin Christel Schmidt: „Glaube soll nicht anerzogen, sondern vorgelebt werden. Deshalb ist es uns wichtig, dass alle Erzieherinnen und Erzieher fest im Glauben stehen und den Kindern selbständig biblische Geschichten erzählen können und frei beten“.

Mindestens einmal im Jahr sind die Erzieherinnen dazu verpflichtet, an Fortbildungen teilzunehmen, die sie teils von der Kita vorgeschlagen, und teils selbst auswählen können – die Kosten übernimmt die Kita. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Erzieherinnen zeichnet sich als “sehr gut“ empfundenes Betriebsklima aus, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Elke Sinnigen. Durch das elterliche Engagement in notwendigen Projekten können sie und selbst Eltern ehemaliger Kinder sich mit der Kita identifizieren. Es entstehe ein Gefühl der engen Zusammengehörigkeit.

Die Erzieherinnen treffen sich jährlich zu zweitägigen Klausurtagungen. Dort entstehen in kreativer Runde neue Ideen und Verbesserungen des pädagogischen Konzeptes. Auch so werde außerhalb des Arbeitsalltages die Gemeinschaft gestärkt. Fast alle Erzieherinnen nutzen das Angebot zur Teilzeitarbeit, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Weitere männliche Erzieher werden dringend gesucht, weil es dringend notwendig ist, Jungen eine rollenspezifische Identifikationsmöglichkeit zu bieten.

Zudem gibt es jeden Monat die „Familienzeit mit Gott“, einen Gottesdienst für Kinder, Eltern und Gemeindemitglieder, an dem in der Regel 100 bis 120 Besucher zusammenfinden..

Johanna Claar, Angelika Pöppel, Jieting Xing


Eigeninitiative ist gefragt

Eine gute Idee hat Erfolg: Seit fast zehn Jahren gibt es in dem brandenburgischen Ort Woltersdorf ein außergewöhnliches Modell - der Verein „Elterninitiative Christliche Kita Woltersdorf“ gründete eine christliche Kindertagesstätte. Mittlerweile beherbergt die „Schatzkiste“ mehr als 145 Kinder, von denen viele aus konfessionslosen Familien kommen - in Zeiten der Kinderkrippendiskussion auf Bundesebene ein Vorbild.

Bis 2013 soll die Zahl der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren auf 750.000 verdreifacht werden, weil in Westdeutschland derzeit für weniger als zehn Prozent der Kleinkinder Krippenplätze zur Verfügung stehen. Das Ziel ist, durch mehr Kindertagesstätten (Kitas) Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen auch aus gehobene Bildungsschichten den Anreiz erhalten, Kinder zu bekommen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stößt mit ihren Absichten auf Widerstand. Fachleute argumentieren mit der Frage, ob eine so frühe Trennung von Mutter und Kind sinnvoll ist. Vertreter der Regierungsparteien verweisen zudem darauf, dass die Diskussion nicht völlig neu ist.
In den neuen Ländern ist die Thematik weniger relevant. Kitas waren und sind dort keine Seltenheit, Kitas auch ohne öffentliche Trägerschaft schon eher. Ein gutes Beispiel für private Initiative ist die Christliche Kindertagesstätte in Woltersdorf. Seit knapp zehn Jahren besteht diese Einrichtung. Eine ausschließlich von Christen gestellte Mitarbeiterschaft, religiös geprägte Inhalte und ein anspruchsvolles, den Stand der Forschung widerspiegelndes pädagogisches Konzept prägen die Ausrichtung der Kita.
In den letzten neun Jahren hat sich bereits viel getan: 34 Kinder waren es zu Beginn. Sie sind nicht mehr nur in der alten „Villa Kunterbunt“, sondern auch in einem 2003 entstandenen Neubau („Schatzkiste“) untergebracht. Die Konzepte der Gruppen sind vielfältig, so dass die Kinder (ab zwei Jahren) Abwechslung haben. Dazu gehören eine „Waldgruppe“, die sich nur im Freien – vorzugsweise im Wald – bewegt, und Englischunterricht für alle Kindergartenkinder.
Bereits in der rot-grünen Koalition gab es mit dem „Tagesbetreuungsausbaugesetz“ (TAG) Vorschläge, bis 2010 zusätzliche 230 000 Krippenplätze zu schaffen. Doch die Umsetzung bleibt schwierig.
Dass man aber mehr tun müsse, stand und steht außer Frage. Wenn sich die Politiker nicht einigen können muss man selbst anpacken. So haben es die Mitglieder der „Elterninitiative Christliche Kita Woltersdorf“ auch getan. Gerade deshalb ist das brandenburgische Erfolgsmodell ein gutes Beispiel. Dank der „Elterninitiative“ ist dieses bisher wohl einmalige Projekt entstanden. Die Resonanz auf das Angebot ist groß – seit Herbst 2007 können 55 weiteren Kindern in einem neuen Gebäude („Entdeckerland“) liebevolle, christlich geprägte Bildungsangebote gemacht werden. Doch die Nachfrage ist noch größer: "Wir haben schon Anmeldungen für 2011", stöhnt Christel Schmidt, die Kita-Leiterin.

Thomas Schlichte


Qualitativer Anspruch und Pädagogik

Was als –zunächst nahezu gescheitertes – Objekt zur Gestaltung einer christlich geprägten Kindertagesstätte begann, hat sich zu einem Vorzeigeobjekt ehrenamtlicher Arbeit entwickelt, das wiederholt sogar vom Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg gewürdigt wird. Außergewöhnlich bei der pädagogischen Konzeption ist die Einteilung der derzeit 145 Zöglinge in fünf Gruppen bei den drei bis sechs jährigen Kindern. Auf die Frage, ob dieses Modell zum erzieherischen Standard in Deutschland gehört, antwortet die Leiterin Christel Schmidt mit einem resoluten ´´ absolut nicht´´. Dabei orientiert sich die Einteilung der Kinder in die jeweiligen Gruppen an persönlichen Veranlagungen und entspricht sowohl der christlichen Vorstellung von Einzigartigkeit eines jeden Kindes als auch einer modernen, auf eine individuelle Entfaltung abzielenden, Erziehung.
Das Spektrum der Gruppenarten zieht sich von der allzeit aktuellen ´´Montessori-Pädagogik´´ über „Reggio“ bis zu den wechselnden, manchmal auch exotischen Inhalten der Hort-Gruppe, die sich beispielsweise mit Meeressäugern befasst.
Die musikalische Entwicklung der Kinder findet nicht nur in einer eigenen Gruppe statt, eine kostenlose Englisch- und Musikstunde für alle Kinder sowie Flötenunterricht für jedes Vorschulkind gehören zu den (kostenlosen) Grundangeboten der Kita. Projekten wie der Waldgruppe, in der die teilnehmenden Kinder sechs Stunden täglich zur Entfaltung einer Naturverbundenheit im Wald verbringen, stehen kompetenzorientierte Programme wie ´´Kid-Smart´´ und ein Wissenschafts-Pilotprojekt zusammen mit McKinsey gegenüber. Vertrautheit im Umgang mit Computern und unentgeltliche Englisch-Stunden tragen zu guten Startbedingungen für den Eintritt in den Schulalltag bei.

All diese Angebote setzen eine kontinuierliche Teilnahme voraus. ´´Kinder brauchen Regelmäßigkeit´´ so Christel Schmidt, ´´und pädagogische Beziehungsarbeit verlangt regelmäßigen Kontakt zwischen Kind und Erzieher´´. Erst das ermögliche einen stabilen Beziehungsaufbau zu den Kindern, den die Diplom-Sozialfachwirtin für das A und O in der Pädagogik hält. In diesen intensiven Zusammenhalt sollen die Eltern mit eingebunden werden. ´´Die Eltern sollen sich engagieren – und sie tun es gerne´´ sagt der ehrenamtlich Co-Geschäftsführer und Mitgründer Professor Wolfgang Stock.

Wie im gesamten Bundesgebiet können auch in Wolterdorf, Landkreis und Kommune, die Hauptfinanciers der Christlichen Kita nicht mit übervollen Kassen glänzen. So wäre die aufgrund der starken Nachfrage an Kindertagesplätzen notwendig gewordene Errichtung des Neubaus ohne tatkräftige (Planungs-) Unterstützung seitens der Eltern gar nicht möglich gewesen. ´´Diese solidarische Atmosphäre ist seit der Gründungszeit gegeben und setzt sich fort´´, bemerkt auch die ehemals erste Vorsitzende Brigitte Kalbhenn-Czech zufrieden. Das Elternengagement in der Kita lohnt sich: Vorträge und Elternkurse – seit 2007 in einem „Christlichen Familien-Zentrum“ gebündelt – stehen für die Eltern bereit, um ihre Kompetenzen als Erzieher zu erhöhen. Weil die Eltern auch direkt bei der Gruppenwahl für ihre Kinder mit eingeschlossen werden und sich „die Gruppeneinteilung auf die Schulwahl der Eltern auswirkt“, so die hauptamtliche Co-Geschäftsführerin Christin Borchert, erscheint dieses Angebot der Elternschule als überaus hilfreich. Wie für die Eltern, so gilt es auch für alle pädagogischen Angestellten, die Anforderungen kontinuierlich etwas höher zu legen.
Kita-Leiterin Christel Schmidt sieht ihre Bildungseinrichtung als Dienstleister, der sich auf dem Markt bewähren muss. „Eine jährliche Fortbildung ist Pflicht für jeden Angestellten“, sagen die Geschäftsführer Christin Borchert und Wolfgang Stock – „natürlich“ wird dies von der Kita bezahlt. Jede Erzieherin kann Kurse wählen, um individuelle Fortbildungsschwerepunkte zu setzen, so beispielsweise den Umgang mit hyperaktiven Kindern. Freilich: was in der „Christlichen Kita“ als „natürlich“ gilt, ist bundesweit eher die Ausnahme.
Für Sonderförderungen bei Kindern mit Förderbedarf eine eigene Heilpädagogin, Elke Sinningen, im Hause tätig.
Das christliche Bekenntnis ist unübersehbar, doch wird er nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt. Das Beten vor den Mahlzeiten ist selbstverständlich, aber für die einzelnen Kinder nicht Pflicht. Dagegen wird von jedem Angestellten ein Bekenntnis zu Jesus Christus verlangt, die "christliche Erziehung" umfaßt das Erklären religiöser Feste, Nacherzählen biblischer Geschichten und auf das Singen christlicher Lieder – und das Mitgestalten von regelmäßigen Gottesdiensten.

Bahador Saberi / Alexander Hämmerling


Freie Hand für freie Träger

Zum Wesen der Demokratie in Deutschland gehört, dass öffentliche Angelegenheiten von freien Trägern übernommen werden können. Das geht auf das Subsidiaritätsprinzip zurück, welches die Regelung öffentlicher Angelegenheiten auf möglichst niedrige (Verwaltungs-) Ebenen überträgt. Es gewährleistet, dass auch solche Vorhaben wie zum Beispiel ein privater Kindergarten eröffnet werden und zu einem großen Erfolg kann. So gründete die „Elterninitiative Christliche Kita Woltersdorf e.V.“ 1997 in Woltersdorf die erste überkonfessionelle Kindertagesstätte (Kita) in Brandenburg. Die „Schatzkiste“ war geboren. Seither expandierte das Projekt auf mittlerweile 145 betreute Kinder. Anfangs waren es gerade gut 30...

„Wenn ein freier Träger eine Lücke schließt, soll die öffentliche Hand dies begünstigen“, sagt Michael Pieper, Sozialdezernent der Gemeinde Woltersdorf. Doch nicht jeder kann eine eigene Kita gründen. Ein Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist erste Voraussetzung für die Unterstützung seitens der Kommune. Der Träger der freien Einrichtung muss zudem den gesetzlichen Rahmenbedingungen und vor allem dem Grundgesetz entsprechen. In Deutschland ist Kinderbetreuung durch Landesgesetze geregelt. Diese orientieren sich maßgeblich an einem Bundesgesetz, dem Kinder- und Jugendhilfsgesetz (KJHG), heute „Sozialgesetzbuch VIII“. Besondere Auflagen gelten auch bei Sicherheits- und Gebäudetechnik, altersgerechte Sanitäranlagen, geregelte Öffnungszeiten, Innen- und Außenraumangebot sowie pädagogische Standards. Letztere werden in einer besonderen Satzung bei der Gründung vorgelegt. Darin sind die Erziehungsziele und das Menschenbild der Kita festgelegt. Diese Konzepte werden zunehmend wichtiger, da eine Kindertagesstätte immer mehr als Bildungseinrichtung verstanden wird.

Eltern und Gemeinde erwarten von der Einrichtung auch, dass ihre Kinder von Fachpersonal betreut werden. Erzieher müssen deshalb eine staatlich anerkannte Ausbildung nachweisen können. Eine weitere Voraussetzung ist, dass besonders qualifiziertes Personal die Kita leitet. Über die Erwartungen der Kommune hinaus werden die Erzieherinnen der „christlichen Kita“ mindestens einmal im Jahr zu einer Fortbildung geschickt. Dies sichert einen qualitativen Standard, der seit einigen Jahren auch durch wissenschaftliche Kriterien nach Vorgaben der Landesregierung zertifiziert wird.
Die Gemeinde Woltersdorf ist an unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen in den Kitas des Ortes interessiert. Das erweitere das infrastrukturelle Angebot und erhöht die Attraktivität der Gemeinde. „Woltersdorf ist dank des Zuzugs von Familien mit Kindern die jüngste Gemeinde im ganzen Landkreis“, freut sich Pieper. Drei Kindergärten, zwei davon in freier Trägerschaft, bieten in dem Ort mit knapp 8.000 Einwohnern mehr als 450 Betreuungsplätze. Dabei haben die freien Träger einige Vorteile gegenüber den öffentlichen Einrichtungen: Der öffentliche Träger ist durch das brandenburgische Kitagesetz verpflichtet, Kinder von der Geburt an anzunehmen, während freie Träger ein Mindestalter für die Aufnahme festsetzen können. Des Weiteren kann der freie Träger von den Eltern erwarten, dass sie mit der pädagogischen Ausrichtung der Kindertagesstätte übereinstimmen und sich für die Kita engagieren.
Allerdings gehört zur privaten Trägerschaft einer Kita auch ein Risiko - in der Christlichen Kita haften die Vereinsvorstände letztlich mit ihrem Vermögen für mögliche "unternehmerische" Fehler.

Seit zehn Jahren besteht also in Woltersdorf ein gut funktionierendes Verhältnis zwischen einem freien Kita-Träger und der Gemeinde. Es ist ein Musterbeispiel für angewandte Subsidiarität und für demokratische Verhältnisse in einer Region, die vor weniger als 20 Jahren noch der sozialistischen Planpolitik unterstand und in der damals ein sich auch in der Öffentlichkeit so klar christlich engagierender Kindergarten nicht denkbar gewesen wäre.

Benjamin Bekeschus und Marcel Rathberger


Unternehmen Kindertagesstätte
Von der Gesetzeslage bis zur Finanzierung

Wünschen Sie sich mehr individuelle Betreuung ihres Kindes, innerhalb der ersten ent-scheiden Jahre? Sind Sie mit diesem Wunsch auch nicht alleine? Dann ist das „Unter-nehmen Kindertagesstätte“ eine Alternative für Sie.

I. Entwicklungen im Kita-Bereich
In den vergangenen Jahren gab es eine große Entwicklung in der Arbeitswelt (variierende Arbeitszeiten) und damit in den

Familien. Jeder dieser Aspekte hat Auswirkungen auf den Betreuungsbedarf der Kinder. Die veränderten Arbeitszeiten, Familienstrukturen, sowie gestiegene inhaltlich-qualitative Ansprüche kollidieren mit dem Angebot der klassischen Kindertagesstätten. Deren starre (und oft auch kurze) Öffnungszeiten, die fehlenden Plät-ze für Kleinkinder im Westen und oft wenig pädagogische Konzeptionen lassen viele El-tern immer unzufriedener werden. Diese Unzufriedenheit haben zur Gründung vieler Kin-dertagesstätten in freier Trägerschaft geführt. Ein Beispiel für ein solches Elternprojekt kann man in Woltersdorf bei Berlin beobachten. Die Hoffnung der Eltern dort zielt auf eine individuellere Betreuung, Förderung und Bildung der Kinder.

II. Gesetzeslage
Grundsätzlich ist die Kindertagesstättenthematik im Bundesrecht (KJHG) geregelt, Details werden in Landesgesetzen festgelegt. Deshalb unterscheidet sich die Rechtslage in jedem Bundesland ein wenig. In dem brandenburgischen Kita-Gesetz (§1 Abs.1) heißt es: „Die Kindertagesbetreuung gewährleistet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie [...]“. Durch den Wandel der Arbeitszeiten ist die Kita verpflichtet, ihre Betreuungszeiten und -dauer dem Bedarf anzupassen. Kinder haben vom vollendeten dritten Lebensjahr an einen Rechtsanspruch auf Erziehung, Bildung, Betreuung und Versorgung in Kindertagesstätten. Auch vorher können Eltern einen Rechtsanspruch geltend machen, wenn sie erwerbstätig sind oder aktiv Arbeit suchen. Die Arbeitszeiten der Eltern geben daher die Öffnungszeiten der Kita vor.

Die Verantwortung für die Bereitstellung der Kita-Plätze liegt bei den Landkreisen und Kommunen. Letztlich ist jede Kommune gefordert, genügend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen.

III. Finanzierung
In Brandenburg zahlt der Landkreis dem Träger einen Betriebskostenzuschuss von 84 Prozent der Personalkosten, die Kommune und die Eltern zahlen in der Regel den Rest. Diese Förderung erhalten nicht nur staatliche Kitas, sondern in gleichem Maße private Träger, wenn die Kita in den Bedarfsplan
aufgenommen ist.

Der Elternbeitrag richtet sich nach dem Einkommen der Eltern, der Betreuungsdauer und dem Alter der Kinder.

IV. Alternativen
Es besteht die Möglichkeit, die betrieblichen Betreuungsbelange und die elterlichen Betreuungsbedürfnisse in Einklang zu bringen. Realisierbar ist dies, wenn Betriebe in be-reits bestehende Kitas, in Zusammenarbeit mit Kommunen oder freien Trägern, Platz-Belegungsrechte sichern. Damit hat der Betrieb gegen eine Zahlung eines Entgeltes einen Anspruch auf die Nutzung einer festgelegten Anzahl von Kita-Plätzen. Weiterhin können, in Absprache, die Öffnungszeiten der Kita mit den Arbeitszeiten der Eltern harmonisieren. Voraussetzungen sind flexible Arbeitszeiten bei den Erziehern.
Zu beachten ist, dass jedes Kind mindestens 2,5 bis 3,5 Quadratmeter Platz hat. Weiterhin müssen Interieur, sanitäre Einrichtungen und die täglichen Mahlzeiten kindgemäss sein. Idealerweise sollten die Erzieher mindestens einmal pro Jahr pädagogische Lehrgänge besuchen. Vorteilhaft ist zudem die Engagierung von speziell ausgebildeten Pädagogen, wie z.B. Heilpädagogen, die verhaltensauffällige Kinder optimal betreuen können. Für die Realisierung des Projektes ist zu bedenken, dass die Klärung der bürokratischen Einzel-heiten bis zu 2 Jahren dauern kann.

Crispin Sill